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24. 11. 2017 - 17:18 Uhr
Hanstein um 1908
Hanstein um 1908 aus einem Buch von W. Kolbe (Heimatmuseum Heiligenstadt)

Beschreibung der heutigen Burgreste

Der Höheberg gehört der Buntsandsteinformation an. Eine Ausnahme ist die aufgelagerte Kuppe von Muschelkalk, welche kurz vor dem Burgberge beginnt.

Etwa 100 m höher gelegen als die Burg ist auf dieser Kalksteinkuppe in 1200 m Entfernung von der Burg eine Wallburg vorhanden. Diese ist an der südlichen Seite durch einen steilen Hang begrenzt und an den drei anderen Seiten mit Graben und aufgeworfenen Wall befestigt.

Eine 6 x 5 m lange und breite Grundmauer von unbehauenen Sandsteinquadern, die in größeren Stücken gebrochen und 40 bis 50 cm stark sind, ist auf dem Gelände ohne Mörtel eingebettet. Kleines quarzitisches Geröll ist daneben aufgedeckt. Diese Sandsteine sind wo anders gebrochen und an die Verwendungsstelle gebracht worden, da der Muschelkalk in Lagerhaften größeren Stücken nicht leicht zu beschaffen und schwieriger zu bearbeiten war.

Nach Nordosten zweigt ein gedeckter Graben nach einer etwa 120 m entfernten Quelle ab, deren Ablauf durch mehrere kleine künstlich gegrabene Teiche führt. Beim untersten Teich hört der Graben auf, wo jetzt der Weg von Rimbach nach der Teufelskanzel vorbeiführt.

Vorteilhafter für die Verteidigung ist der jetzige Burgberg, der mit steilen Hängen versehen ist und nur in südlicher Richtung mit dem Kamm des Höheberges zusammenhängt. An dieser Stelle führt ein steiler Weg in nördlicher Richtung von dem Dorfe Bornhagen herauf. Oben am Bergkamm, südöstlich von der Burg und im Schutze und Zusammenhange mit ihr ist das Dorf Rimbach gelegen, in welchem die äußeren Torbefestigungen beginnen. Die freie Lage des Burgberges gewährt eine weite Aussicht über das umliegende Gelände, namentlich über das breite Tal der Leine, von wo am ehesten Gefahr zu befürchten war, ein Vorzug, welcher der Stelle nicht eigen ist, an der die alte Wallburg liegt. Dagegen war letzte durch eine nahe gelegene Quelle mit Wasser versorgt, während auf dem Burgberg nur durch Brunnenanlagen Wasser zu beschaffen ist.

Die Gesamtlänge der Burg scheint dem ursprünglichen Zustande noch ziemlich gleich zu sein. Der Zwingergraben ist größtenteils in den Felsen eingesprengt, zum Teil 8 bis 10 m  tief. Der Wehrgang an der äußeren Mauer ist teilweise auf dem Felsen angeordnet. Durch künstlichen Einschnitt des Geländes ist letztere an der gefährlichsten Stelle oberhalb des ersten Tores gesichert worden.

Tor I - im Dorfe Rimbach gelegen - ist nur noch in den unteren Mauerpfeilern vorhanden. Eine Quermauer ist zwischen ihm und dem oben erwähnten Felseinschnitt aufgeführt. Seine Weite beträgt 5,10 m. Die Tore II bis IV stehen auf Felsen. III und IV sind an den Felsen einseitig angebaut; ihre Schließvorrichtungen sind in den Felsen eingehauen. Ihre Weite beträgt 2,50 m. Tor IV- das Haupttor, ist noch im Mauerwerk vollständig erhalten. Es ist spitzbogig überwölbt und hat 3,70 m Höhe. An ihm – an der Innenseite des Burghofes – war ein Neidkopf vorhanden, der im Jahre 1844 beseitigt worden ist. Heute kann man diesen wieder an der oberen Stelle der Mauer finden. Der Sage nach wurde er an dieser Stelle angebracht, angesichts der Burg Ludwigstein in Hessen, die Landgraf Ludwig im Jahre 1415 ( nach anderen 1386 ) auf Veranlassung langjähriger Fehden mit denen von Hanstein erbauen ließ. Auf dem Ludwigstein ist ein  Neidkopf noch zur  Zeit vorhanden.
Tor V ist im 17. Jahrhundert in seiner jetzigen Gestalt (Weite 2,20m;
Höhe 2,80m) spitzbogig überwölbt wieder hergestellt.

Es ist durch einen breiten Graben vom Burghof getrennt und durch eine Zugbrücke zugänglich gewesen.

Das Gelände ist in geschicktester Weise für die Anlage der Burg genutzt worden. Der Weg zur Burg und Eingang liegen einzigartig, so dass die Angreifer ihre rechte d. h. durch Schild nicht gedeckte Seite den Belagerten zukehren mussten.

Die Zwingermauer - 1,40 m stark - ist nur teilweise noch erhalten. Sie ist nach einem unregelmäßigen Vieleck angelegt. An der Nordseite sind fünf  Rondelle vorgelegt. Die Mauer des Burghofes – 1 m stark – steht durchweg auf Felsen. Schießlöcher sind alle 5 bis 6 m vorhanden.

Der Burgbau besteht auch selbst aus einem unregelmäßigen Vieleck. Dieses Vieleck umschließt einen fünfeckigen Hof, der mit einer Durchfahrt von dem Einfahrtstor V unmittelbar zugänglich ist. Links von diesem Tore, hinter der Zugbrücke in der Mauer, befinden sich noch schwache Reste eines so genannten Teuerungssteines. Da dieser fast bis zur Unkenntlichkeit verwittert ist, so ist eine Nachbildung desselben rechts vom Tor angeordnet. Die Inschrift lautet:

„das malter weizen kostete ein ort und zween gulden.“

Aus den vorhandenen Bauresten ist die frühere Zweckbestimmung der einzelnen Bauteile und Räume schwer festzustellen, um so weniger, als durch den in den Jahren 1838 bis 1840 ausgeführten teilweisen Ausbau wurde der ursprüngliche Zustand wesentlich verändert. Nordöstlich ist ein Küchenraum gewesen, der noch durch eine mächtige Kaminanlage in der Mauer erkennbar ist. In demselben war der Brunnen vorhanden, welcher noch vor 10 Jahren sichtlich war, aber verschüttet worden ist. An welcher Stelle ein Saal gelegen gewesen ist, kann nicht ermittelt werden. Es gab auch einen Kapellenbau. So ist anzunehmen, dass der Saal sich in der Nähe befand. Es ist aber vielleicht erst infolge des Kaminvorbaues eine sichtbare Verbindung zwischen der Kapelle und der Burg nicht mehr erkennbar, so dass vielleicht der Bau des Kamins erst zur Ausführung gelangte, als die Kapelle möglicherweise wegen Verfalls nicht mehr benutzt wurde.

Im Obergeschoss sind ziemlich reich ausgestattete Reste von Kamin- und Fensterprofilsteinen aus dem 15. und 16. Jahrhundert vorhanden, so dass dieser Bauteil hierdurch hofseitig gewahrt wurde, man im ersten Stockwerk  die Reste eines Kamins, der zur Seite der Vorkragung je ein Wappen in der Tratsche trägt. Das eine enthält die drei Spiegel bzw. Bälle der Spiegel zum Desenberge, das Andere den Hardenbergischen Eberkopf.

Dessen gute heraldische Zeichnung ist bemerkenswert.

Die Stirnseite des Kamins wurde angeblich von einem Stein gebildet, der sich 1905 im Schutte dieses Raumes gefunden hat und nun zur Befestigung eines Raumes neben anderen Funden aufgestellt ist. Dieser Stein enthält rechts und links wiederum zwei Wappen in der Tratsche und zwar umgekehrt: links ( vom Beschauer ) drei Herzen  - Familie von Seebach -, rechts die Hansteinischen Monde, hier zunehmend.
Die letzten drei Zeichen sind nicht zu deuten.

An der jedem Kamin gegenüberliegenden Wand fällt eine zierlich profilierte Nische mit ausgehöhlten Konsolbecken auf, das einer – Piscina – ähnelt, aber auch dem profanen Zwecke des Waschbeckens gedient haben kann. Sonst deutet in dem Raum  nichts auf kirchliche Einrichtungen hin, so dass die Burgkapelle schon längst vorhanden war.

An der Nordseite des Kapellenbaues ist ein Wappenstein derer von Hanstein eingemauert, welcher die drei Monde zunehmend zeigt. Im Hansteinischen Archiv befindet sich aus dem Jahre 1359  der erste Abdruck des Wappens derer von Hanstein. Er stimmt mit dem Wappen an der Burgmauer überein. Auch gibt es eine Übereinstimmung mit dem Wappen Werners von Hanstein vom Jahre 1364. In den folgenden Jahren wechseln zu- und abnehmende Monde. Das jetzige Wappen zeigt ein silbernes, oben eingebogenes und nach unten spitz zulaufendes herzförmige Schild, worin drei schwarze Halbmonde, mit den Sicheln nach der linken Seite ( zunehmend ) gerichtet sind. Darauf ein blau angelaufener, mit adliger Krone gekrönter Turnierhelm, worauf eine oben mit sieben schwarzen Hahnenfedern geschmückte silberne Säule steht. Auf beiden Seiten ist je ein schwarzer Halbmond - Helmdecken schwarz und silbern.  Der Helm ist mit 4 Federn geschmückt.

Eine Übersicht über die Entstehungszeit der einzelnen Bauteile zu geben, ist nicht allenthalben möglich, doch soll hier ein Versuch dazu gemacht werden.

14. Jahrhundert ( Beginn 1308 ): die Umfassungsmauer des äußeren Burghofes mit den Toren III bis V, von der Burg selbst der nördliche Turm ist ohne Treppeneinbau. Es werden geringfügige  Bauten und nur eine feste Ringmauer bestanden haben.

15. und 16. Jahrhundert: der Kapellenbau (1414) , die Zwingmauer mit den Rondellen und den Toren I und II, ( 1519 )  mit dem südlichen Hauptturme und dem Treppenturm, sowie das Torhaus bei Tor IV.

17. Jahrhundert: wesentliche Reparaturen und Fenstereinbrüche  (1608), das Wachstubengebäude neben Tor II (1673).

19. Jahrhundert: Einbau des Saales.

20. Jahrhundert: Arbeiten zur Erhaltung und Ergänzung des Bestandes der Ruinen.

Wenn auch der Einbau des  Saales , der sich keineswegs an gegebene Verhältnisse anschloss, besonders durch die willkürliche Einordnung der westlichen Abschlussmauer, einen erheblich schädigenden Eingriff in den Bestand der Ruine bedeutete, so hat sich die Familie Hanstein doch durch die sachgemäße Form der Erhaltungsarbeiten der letzten Jahre, die allenthalben durch eingearbeitete Jahreszahlung erkennbar werden, einen wesentlichen Verdienst um die Denkmalpflege und Burgenkunde erworben.